Analfissuren

Analfissuren sind schmerzhafte Einrisse der Afterhaut.

Besonders beim Stuhlgang entstehen starke Schmerzen, die wegen der Verkrampfung der Schließmuskulatur (Verkrampfungsschmerz) zum Teil über mehrere Stunden anhalten. Der Riss kann bluten, sich entzünden und zu einem schlecht-heilenden Geschwür werden. Die Verkrampfung des Schließmuskels verschlechtert die Durchblutung der Afterhaut und verhindert so die Abheilung der Analfissur. Ein neues Arzneimittel (Salbe) mit dem Wirkstoff Nitroglyzerin fördert die Durchblutung, löst die Verkrampfung des Schließmuskels und beseitigt dadurch die Schmerzen. Durch die verbesserte Durchblutung wird zudem die Abheilung der Analfissur unterstützt.

Was sind Analfissuren?

Nicht immer verbergen sich hinter Beschwerden beim Stuhlgang die allgemein geläufigen Hämorrhoiden. Oft handelt es sich dabei um eine Analfissur.

Eine Analfissur ist ein entzündlich veränderter Einriss in der Schleimhaut des Enddarmbereiches (After). Wegen der Tendenz zur schlechten Abheilung spricht man auch von einem Geschwür (Ulkus). Die Analfissur tritt typischerweise im Analkanal auf der Seite zum Steißbein hin auf.

Ursache

Eine eindeutige Ursache für die Entstehung von Analfissuren ist nicht bekannt. Auf jeden Fall ist jedoch eine erhöhte Anspannung des Schließmuskels (Sphinktertonus) an der Entstehung einer Analfissur beteiligt. Weitere Faktoren, welche die Entstehung einer Analfissuren fördern, sind Veranlagung, Übergewicht, zu harter und zu weicher Stuhl, z.B. durch Fehlernährung und Abführmittel-Missbrauch, Bewegungsmangel, Analsex u.a.

Symptome

Bei einer Analfissur treten während und nach der Stuhlentleerung heftige Schmerzen auf, die über Stunden anhalten können. Häufig verspürt der Patient auch einen anhaltend unerträglichen Druck aufgrund des permanenten Schließmuskelkrampfes. Häufig wird zudem Blut am Stuhl oder auch in die Toilette tropfend beobachtet. Die Verkrampfung des Schließmuskel führt zu einer verminderten Durchblutung des Schließmuskels und der Darmschleimhaut. Die schlechte Durchblutung wiederum blockiert die Heilung der eingerissenen Darmschleimhaut und verstärkt die Verkrampfung und die dadurch bedingten Schmerzen (es entsteht ein Teufelskreis aus Schmerzen und Verkrampfung).

Frau M.: „Meine Leidensgeschichte begann nach der Geburt meines Kindes. Ich hatte einen Dammschnitt und dann noch die Analfissur (von der ich damals keine Ahnung hatte, ich dachte es sind Hämorrhoiden). Das ist jetzt 2 Jahre und 4 Monate her. Nach ca. einem Jahr ging ich zum Hausarzt, da ich die ständigen Schmerzen endlich loshaben wollte. Die Schmerzen waren nicht nur beim Stuhlgang, sondern noch mind. 6-7 h danach vorhanden.“

Wie viele Menschen in Deutschland von diesen äußerst schmerzhaften Beschwerden betroffen sind, ist nicht bekannt. Experten gehen aber aufgrund ihrer täglichen Erfahrung mit Analfissur-Patienten von einer hohen Dunkelziffer aus. Denn aus Scham, über das Tabuthema „Anale Beschwerden“ zu sprechen, wenden sich leider viele Betroffene nicht rechtzeitig an einen Arzt und haben häufig einen langen Leidensweg hinter sich, bis sie endlich eine fachmännische Behandlung erhalten. Bei einem dann vorliegenden chronischen Verlauf kann es zur Ausbildung von Abszessen und Fisteln kommen, die den Schließmuskel zerstören.

Diagnose

Die Diagnose stellt der Arzt durch Betrachtung der Wunde und nach Austasten des Afters mit dem Finger und mit der direkten Sicht auf das betroffene Gebiet mit einem Proktoskop. Diese Untersuchung ist manchmal sehr schmerzhaft und macht eine lokale Betäubung der Afterregion notwendig. Dabei wird die Haut um den After und der Schließmuskel mit einem Lokalanästhetikum umspritzt.

Behandlung

Wichtig ist bei allen Behandlungsmöglichkeiten, auf eine optimale Beschaffenheit des Stuhls zu achten. Die Konsistenz des Stuhls hängt vor allem von der Ernährung ab. Pflanzenfaserreiche, also ballaststoffreiche Speisen halten ihn locker und weich; einseitige, besonders proteinreiche Nahrung verursachen einen eher harten Stuhl. Von Abführmitteln ist in den meisten Fällen abzuraten, da der flüssige Stuhl das Entzündungsgeschehen und der darauf folgende Schmerz den Muskelkrampf weiter verstärken. Sitzbäder werden von den Patienten oft als angenehm empfunden, der Zusatz von Kamillenextrakten hilft die Beschwerden zu lindern.

Oft werden Analfissuren zunächst als Hämorrhoiden verkannt und dementsprechend mit Hämorrhoidalsalben behandelt, die zwar oberflächlich die Symptome lindern, ohne jedoch an der Hauptursache für die Entstehung von Analfissuren, nämlich der erhöhten Anspannung des Schließmuskels, etwas zu ändern. Um hier anzusetzen hat man ein Wirkprinzip aus der Herz-/Kreislauftherapie für den Enddarm übernommen. Der in der Kardiologie seit Jahrzehnten bekannte und bewährte Wirkstoff Nitroglyzerin (chemisch Glyceroltrinitrat) erweitert die Blutgefäße und führt dadurch zu einer verbesserten Durchblutung und einer Entspannung der Muskulatur. Seit kurzem ist in Deutschland eine Nitroglyzerin-Salbe verfügbar und speziell zur Behandlung bei Analfissuren als Arzneimittel zugelassen. Die Salbe lindert rasch die Verkrampfungsschmerzen und unterstützt so die Heilung.

Versuchsweise werden gelegentlich auch Salben mit sog. Kalzium-Antagonisten oder Injektionen mit dem aus der Schönheitschirurgie bekannten Botulinum-Toxin eingesetzt. Diese Rezepturen sind aber für die Behandlung von Analfissuren derzeit nicht zugelassen.
Die früher häufig eingesetzte Analdehnung (z. T. unter Narkose) wird inzwischen zunehmend weniger angewandt, da sie bei unsachgemäßer Anwendung zu Stuhlinkontinenz führen kann.

In besonders hartnäckigen Fällen muss die Analfissur operativ entfernt werden, was aber sowohl kurzfristig als auch langfristig zu Stuhlinkontinenz und Gefühlsstörungen im Afterbereich führen kann. Die weltweit führende Operationsmethode ist heute die laterale geschlossene Sphinkterotomie. In Deutschland wird anstelle der Sphinkterotomie auch die Fissurektomie angewandt, bei der die Gefahr einer Stuhlinkontinenz geringer ist. Weitere Risiken sind wie bei jeder Operation die Blutung und eine Infektion der Operationswunde.

Weitere Informationen zum Thema „Analfissur“ erhalten Sie unter www.anal-fissur.de